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Depression und die innere WG

Ein Buchtipp von dem Therapeuten Michael Diaz zum Thema Depression.

Ein Buchtipp von Michael Diaz: Meckertante, Schweinehund und inneres Kind Depressionen überwinden mit dem Konzept der inneren WG

„Die Antreiberin“, „die Erwachsene“ oder „das innere Kind“ – sie alle sind Mitbewohner unserer „inneren Wohngemeinschaft“. Je nach Lebenslage drängt sich der ein oder andere in den Mittelpunkt, beherrscht das ganze WG-Leben und beeinflusst die Stimmung. Das tut uns nicht immer gut.

Die innere Villa Kunterbunt

Das Konzept der inneren WG hilft, bestimmte Denk- und Verhaltensmuster aufzudecken, die sich oft aus schmerzvollen Erfahrungen in der Vergangenheit entwickelt haben und zu Depressionen oder depressiven Verstimmungen führen können. Diplom-Psychologin Sonja Unger erklärt in dem Ratgeber „Depression überwinden mit dem Konzept der inneren WG“, wie die Methode funktioniert. Zuerst lernen Leserinnen und Leser die Ticks und Bedürfnisse ihrer Mitbewohner kennen. Anschließend bringen sie ihre innere WG mit der Kraft der Imagination und weiteren psychologischen Verfahren in einen wertschätzenden Austausch miteinander und versuchen die unterschiedlichen Bedürfnisse in Einklang zu bringen.

Die Empfindlichkeiten der WG-Bewohner:innen

„Die Meckertante lässt kein gutes Haar an Ihnen? Der innere Schweinehund fordert Sie auf, Unangenehmes nicht in Angriff zu nehmen? Die Erwachsene hingegen versucht, die WG zusammenzuhalten und pragmatische Lösungen zu finden. Ganz wie in realen Wohngemeinschaften treffen wir in unserer inneren WG auf Mitbewohner, die uns sympathisch und andere, die pessimistisch, kritisch und fordernd sind“, erklärt die Autorin. 

Wann sind sie eingezogen?

Eingezogen sind diese Mitbewohner durch belastende Erlebnisse in der Vergangenheit und stehen für unterschiedliche Bedürfnisse. Das „innere Kind“ meldet sich mit Kommentaren wie „Ich kann das Alleinsein nicht aushalten“ oder „Niemand mag mich“ zu Wort – Grundüberzeugungen, die sich im Lauf der Kindheit entwickelt haben. Die Antreiberin hingegen wurde in einer Situation erweckt, in der man als Kind das Gefühl hatte, sich seinen Wert als Mensch verdienen zu müssen. Hinter ihrem stetigen Antreiben steht der Wunsch, Liebe und Aufmerksamkeit zu erfahren. 

Alle haben ein Stimmrecht

In einer depressiven Episode seien die Stimmen der Mitbewohner quasi außer Rand und Band, erklärt Unger. Dann ist es wichtig, jedem gut zuzuhören und die Bedürfnisse aller nach Sicherheit, Liebe oder Selbstwirksamkeit zu stillen. Mit Hilfe der Imaginationsübungen im Buch finden Leserinnen und Leser heraus, welche Ziele die einzelnen WG-Mitglieder verfolgen. Ganz wesentlich ist auch, die Zimmertür der Erwachsenen in der WG wieder zu öffnen. Sie zieht sich in depressiven Phasen eher zurück. „Wenn die Erwachsene in uns sämtliche ängstlich gewordene Mitbewohner beruhigen kann, kann sie das Schiff vor dem Kentern bewahren und neue Segel setzen“, betont die Psychologin. Mit ihrem ausgleichenden Wesen hat sie ein Auge darauf, dass die Befriedigung des einen Bedürfnisses nicht in der Vernachlässigung eines anderen mündet. Also beispielsweise der Wunsch der Antreiberin, sich durch harte Arbeit Anerkennung zu verschaffen, nicht zum Verlust jedweder Ruhe und Entspannung führt.

„Mit dem Konzept der inneren WG arbeiten Sie an einem mitfühlenden Umgang mit all Ihren verschiedenen Bedürfnissen und inneren Konflikten“, so die Autorin. Auf diese Weise sei es möglich, Symptome einer depressiven Episode zu mildern, Zufriedenheit zu steigern und tiefer sitzende Verletzungen zu heilen.

TRIAS Verlag, Stuttgart. 2022, Buch € 19,99 [D], ISBN Buch: 9783432115474ISBN Buch: 9783432115474

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